Neues Brandgutachten im Fall Oury Jalloh

Am Dienstag, den 12.11.2013 hatte die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh zu einer Pressekonferenz ins Haus der Demokratie und Menschenrechte in Berlin eingeladen, um ein von der Initiative selbstständig in Auftrag gegebenes Brandgutachten zur Aufklärung des Todes von Oury Jalloh vorzustellen.

Oury Jalloh starb am 07. Januar 2005 nach einem Brand in einer Zelle des Polizeireviers Dessau in der Wolfgangstraße. Die Hintergründe seines Todes sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt, mutmaßliche Verantwortliche für den Tod Oury Jallohs bis heute nicht oder nur halbherzig gefunden.
(vgl. http://www.prozessouryjalloh.de/)

Auf der Pressekonferenz anwesend waren neben verschiedenen deutschen Zeitungen und Rundfunkanstalten sowie Pressevertreter_innen u.a. aus Großbritannien und den Vereinigten Staaten auch internationale Menschenrechtsinitiativen. Selbst der Oberstaatsanwalt Folker Bittmann aus Dessau zeigte mit seiner Anwesenheit Interesse für die neuen Erkenntnisse. Auf dem Podium saßen Nadine Saeed, Komi Edzro, Mouctar Bah von der Oury Jalloh Initiative, ein Vertreter von The Voice Refugee Forum sowie der Brandgutachter Maksim Smirnou und eine Dolmetscherin. Zunächst wurde ein von Mitgliedern der Initiative erstellter Dokumentarfilm über die Ergebnisse der Brandversuche gezeigt. Anschließend stellte der Brandgutachter aus Irland seine Ergebnisse vor, die der bisher durch staatliche Institutionen vertretenen und einzig verfolgten These vom Selbstmord Oury Jallohs massiv widersprechen.

Daraufhin verlas Nadine Saeed die „Strafanzeige wegen Mord oder Totschlag gegen unbekannte Polizeibeamte“, welche die Initiative und weitere sechs Einzelpersonen bereits am Montag, den 11.11.2013 beim Generalbundesanwalt Range in Karlsruhe erstattet hatten. Hierbei ging die Anzeige bewusst an den Generalbundesanwalt, da es sich angesichts der nicht auszuschließenden Verantwortung staatlicher Exekutivorgane für den Tod Jallohs und die mangelhafte Aufklärung des Geschehens um eine möglicherweise besonders schwere Straftat mit Bezug zur inneren Sicherheit und Verfasstheit der Bundesrepublik handelt.

Im Anschluss daran wurde erläutert, unter welchen Umständen das Brandgutachten zustande gekommen ist. So war es unmöglich, in Deutschland eine_n unabhängige_n Brandgutachter_in zu finden, was zum Einen dem Misstrauen gegenüber deutschen Brandgutachter_innen geschuldet ist, deren regelmäßige Auftraggeber deutsche Gerichten oder Staatsanwaltschaften sind. Zum Anderen haben vereinzelt angefragte Brandgutachter den Auftrag schlicht abgelehnt oder ihre zunächst erklärte Bereitschaft wieder zurück gezogen. Somit musste ein_e internationale_r Brandgutachter_in gesucht werden, die_der in Maksim Smirnou gefunden wurde, welcher schließlich ein ergebnisoffenes Brandgutachten auf Grundlage der Abgleiche von Matratze, Körper, Gasentwicklung und Feuerzeug vom Tatort anfertigen konnte. Aus den Ergebnissen des Brandgutachtens lässt sich erkennen, dass die größte Annährung an den in der betreffenden Zelle des 07. Januars 2005 vorgefundenen Zustand nur mit Benutzen von 5 Liter Brandbeschleuniger und dem Abziehen des feuerfesten Matratzenbezugs erreicht werden konnte. Nach Aussage des Brandgutachters lässt sich daraus schlussfolgern, dass die Umstände, wie sie am Tatort vorzufinden waren, praktisch und theoretisch nicht ohne Grillanzünder oder Benzin erreicht werden konnten. Eine Selbstanzündung Oury Jallohs ist durch dieses Brandgutachten erheblich in Frage gestellt. Erneute umfassende Ermittlungen zu den Todesunmständen des Mannes sind dringend erforderlich.

Für mehr Infos:

Strafanzeige

Dokumentarfilm

Dokumentation der bisherigen Prozessbeobachtung

Spendenaufruf